Porsche-Team Hässler/Suhl wiederholt Sieg von 2011

(gpp) – Mit einer Bestzeit in der Wertungsprüfung (WP) eins und einem fulminanten Schlussspurt, indem sie sowohl in der WP fünf als auch in der WP sechs die absolut Schnellsten waren, wiederholten die Porsche-Piloten Nicolas Hässler und Holger Suhl (Memmelsdorf/Ebern) ihren Sieg bei der ADAC-Rallye „Rund um die Veste“ des AMC Coburg von 2011.

Dazwischen lagen sowohl dramatische Wetterverhältnisse als auch eine, zum Teil auf diese Wetterverhältnisse (mit enormem Starkregen) zurückzuführende, Ausfallserie, vor allem unter einigen der Mitfavoriten, so dass die Führung im Verlauf dieser inzwischen 12. Ausgabe der Rallye durch das Coburger Land laufend wechselte.

Start frei für den Coburger Lokalmatadoren Michael Stoschek

Start frei für den Coburger Lokalmatadoren Michael Stoschek

Am Start auf dem Parkplatz der Firma Gehrlicher Solar AG in Neustadt b. Coburg, wo Hans-Joachim Autsch (Weidhausen) im Beisein von zahlreichen Zuschauern die Teilnehmer ab 13:01 Uhr sach- und fachkundig ankündigte und auf die ca. 120 km lange Strecke verabschiedete, schien anfangs noch ein wenig die Sonne, doch relativ bald verdunkelte sich der Himmel, und viele Regenwolken zogen auf. Auf der nur gute zehn Kilometer entfernten WP eins von Fornbach nach Lautertal, hatten nur die Aller-rsten der insgesamt 88 Teilnehmer aus fast dem gesamten Bundesgebiet die Chance auf eine trockene Strecke, die die Sieger des Jahres 2011 gnadenlos nutzten, und mit der Startnummer 2 auf ihrem Porsche 911 die Tagesbestzeit von 2:34,1 min. in den Asphalt brannten. Die meisten Mit-Favoriten und alle anderen Teilnehmer mussten mit dem abrupt einsetzenden, heftigem Starkregen kämpfen und hatten keine Gelegenheit mehr, eine adäquat schnelle Zeit zu fahren, „sondern wir mussten schauen, unsere Autos überhaupt auf der Straße zu halten!“ stöhnten etliche von ihnen nach den „total anstrengenden“ 4,68 km am Ziel bei Lautertal. Wegen eines Ausrutschers hatte hier schon der mehrfache Bayer. Rallyemeister Reinhard Honke (Himmelkron) mit seinem Beifahrer Michael Heinze (Wonsees) die Segel seines bärenstarken Ford Escor RS Cosworth streichen müssen, und damit auch den später noch nachfolgenden Ausfallreigen eröffnet.

Die WP zwei führte dann von Heid über Truckendorf und Ehnes nach Almerswind, und auf diesen 7,44 km war es von Anfang an äußerst nass, weswegen auch die etwas weniger top-motorisierten Mit-Favoriten plötzlich direkt im Spiel waren: Allen voran der ehemalige Motorrad-Trial-Fahrer Werner Mühl aus Gefrees, der mit seinem Bayreuther Beifahrer Sebastian Kröniger im BMW E 36 compact mit 4:32,3 min. die Bestzeit fuhr und damit die weiteren Verfolger mit deutlichen elf Sekunden Rückstand hinter sich zurück ließ. „Obwohl es teilweise äußerst grenzwertig war!“ so ein weiterer Teilnehmer am Ziel vor Almerswind nachdrücklich. Die Top-Teams mit ihren PS-Boliden ließen in dieser Phase des Starkregens gewaltig Federn, was sich vor allem auch den zahlreichen, trotz des am spektakulären Rundkurs von den Toren Neustadt´s weitergehenden Regens, eingefundenen Zuschauern zeigte. Denn lediglich die Allradler brachten ihre Leistung einigermaßen auf das nasse Geläuf´, und wieder war es zunächst Werner Mühl, der mit 3:08,6 min. die Bestzeit auf diesem 4,43 km langen Kurs fuhr, bevor diese Zeit von den Frankenwäldern Michel/Hartbauer in einem Opel Astra nochmals um eine gute halbe Sekunden unterboten wurde. Dann jedoch ließ der Regen nach, die Sonne kam wieder heraus und die Strecke rund um die Neustadt´er Shell-Tankstelle trocknete schnell ab und plötzlich sahen die ´Kleinen` ihre Chance: Und tatsächlich, dem früheren Bayer. Rallyemeister Max Schmid aus dem oberpfälzischen Leonberg gelang es auf einem Peugeot 306 RS zusammen mit seinem Beifahrer Daniel Scharf aus Kemnath, die Zeit von Michel/Hartbauer noch um eine knappe Sekunden zu unterbieten. Zeitgleich sahen die Zuschauer aber auch das Aus für die nordbayerische Rallye-Legende Helmut Hodel (Hof), dessen VW Golf nach anfänglichen Problemen mit der Zündung seinen Dienst auf der langen Geraden plötzlich und nachhaltig quittierte.

Jede Menge Rallye-Action gab es vor allem im teilweise verregneten ersten Durchgang des Neustadt´er Asphalt-Rundkurses

Jede Menge Rallye-Action gab es vor allem im teilweise verregneten ersten Durchgang des Neustadt´er Asphalt-Rundkurses

Dennoch führten Mühl/Kröniger zur Halbzeit die Rallye „Rund um die Veste“ überraschend an, und gingen ziemlich nachdenklich in die zweite Runde, denn der Regen und die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne trocknete die Strecken äußerst schnell wieder ab. „Da werden sie uns wieder auf und davonfahren“, unkte Mühl. Die WP vier, der zweite Durchgang in Lauterberg ging dann auch mit 2:44,4 min. an das niederbayerisch-thüringische Mitsubishi Lancer-Duo Rudolf Reindl/Michael Ehrle (Lohkirchen/Schmalkalden), die Hässler/Suhl sogar um zweieinhalb Sekunden distanzierten. Doch das Porsche-Team bließ nachdrücklich zur Aufholjagd, und zwar mit einer weiteren Bestzeit auf der WP fünf, viereinhalb Sekunden schneller als das Allradteam. Zwischenzeitlich mussten aber die bis dato Führenden Mühl/Kröniger ihren BMW compact mit irreparablen Getriebeproblemen „tief enttäuscht“ vorzeitig und endgültig abstellen.

Spontanen Strecken-Beifall gab es aber nicht nur für die Spitzenteams, sondern auch für die ´Nachzügler`

Spontanen Strecken-Beifall gab es aber nicht nur für die Spitzenteams, sondern auch für die ´Nachzügler`

Beim Showdown, dem zweiten, nun inzwischen völlig trockenen, Durchgang im Neustadt´ er Rundkurs, lagen die Sieger von 2011 um 4,8 Sekunden hinter Reindl/Ehrle zurück, und die Wetten gingen hoch – würde das Porsche-Team diesen Rückstand auf dieser doch relativ kurzen WP noch aufholen können? Zuerst nahm diese die WP in Angriff, nach einem Umlauf folgte das Mitsubishi-Duo und als die beiden erneut zurück zum Start kamen und die einen (Hässler/Suhl) ihre letzte und die anderen (Reindl/Ehrle) ihre zweite Runde in Angriff nahmen, hatte der Porsche schon auf den Mitsubishi aufgeschlossen und trieb diesen die lange Gerade hoch und in den Rechtsabzweig hinein, ohne allerdings eine echte Chance zum Überholen zu haben. Die begeisterten Zuschauer wähnten schon einen Nachteil für Hässler/Suhl, doch in Wahrheit hatten Reindl/Ehrle im hinteren Streckenteil einen „unnötigen“ Dreher fabriziert und damit wertvolle Zeit verloren. Weswegen Hässler/Suhl aufschließen konnten, am Ende ganze 11,4 Sekunden schneller waren und damit die 12. Ausgabe der ADAC-Rallye „Rund um die Veste“ des AMC Coburg mit endgültigen sieben (!) Sekunden Vorsprung vor Reindl/Ehrle erneut für sich entschieden. Dritte auf dem Siegerpodest wurden schließlich die erneut völlig unspektakulär aber zielgerichtet schnell fahrenden, mehrfachen Nordbayerischen ADAC-Rallyemeister Bernd Michel und Bernd Hartbauer (Schwarzenbach/Gefrees) auf Opel Astra.

Coburgs Lokalmatador, der ehemalige FIA-Rallye-Europameister Michael Stoschek gewann mit seinem Beifahrer Philipp Späth (Würzburg) in einem bildschönen BMW 2002 ti seine Klasse und wurde Zweiter in der Gruppe der historischen Fahrzeuge, der Rödentaler Fabian Kroner und sein Neustadt´er Beifahrer Kilian Drenkard kamen mit ihrem VW Golf bei ihrem ersten Rallye-Einsatz in ihrer Klasse auf Platz zehn.

Am Ende kamen von den 88 gestarteten Teams ganze 69 in Wertung zurück ins Ziel nach Neustadt b. Coburg, da es neben einigen technischen Defekten hauptsächlich aufgrund des teilweisen Starkregens auch zu Ausrutschern und kleineren Unfällen (die für alle Beteiligten zwar völlig glimpflich, aber dennoch ohne die Möglichkeit des Weiterfahrens, ausgingen; Anm. d. Red.) gekommen war.

So sehen Sieger aus: Holger Suhl (li.) und Nicolas Hässler wiederholten mit ihrem Porsche 911 den Sieg von 2011

So sehen Sieger aus: Holger Suhl (li.) und Nicolas Hässler wiederholten mit ihrem Porsche 911 den Sieg von 2011

Bei der abschließenden Siegerehrung im dicht besetzten Festzelt bedankten sich die Verantwortlichen des AMC Coburg, allen voran 1. Vorsitzender Wilfried Kopietz und Rallyeleiter Uwe Jentsch bei allen Teilnehmer für das faire sportliche Verhalten während dieser in vielen Belangen doch außergewöhnlichen Rallye, aber in der Hauptsache (unter starkem Beifall der Anwesenden) „…bei allen unseren Streckenposten, ohne die eine solche Veranstaltung gar nicht mehr möglich wäre, und die bei diesen Wetterunbilden ihren wichtigen und unerlässlichen Job ruhig, zuverlässig und verläßlich aus- und durchgeführt haben!“ Jentsch bedankte sich aber auch bei allen Anwohnern entlang den Strecken und vor allem bei den Genehmigungsbehörden für deren Zustimmung und den „wieder gewährten Vertrauensvorschuss!“

Gerd Plietsch